2.1 C
Hessen
Donnerstag, 30. Mai 2024

Kooperation zwischen Städten und Spielbanken: Eigene Online-Spielothek in Hessen?

Top Neuigkeiten

In den letzten Jahren hat sich innerhalb Deutschlands einiges getan, was die Regelung des legalen Glücksspiels betrifft. Aufgrund des immer stärker wachsenden Online-Angebots und zahlreicher ausländischer Betreiberfirmen, die deutsche Kunden für sich gewannen, sah man die Notwendigkeit einer einheitlichen Regelung des Geschehens.

Zudem bewegte sich der Markt zuvor lange Zeit in einer juristischen Grauzone, was eine effektive Kontrolle der Akteure unmöglich machte. Mit Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrags im Juli 2021 wurde eine bundesweit gültige Lizenz für digitale Angebote eingeführt. Dank dessen kann das zertifizierte Casino Deutschland nun legal agieren.

Das Casino ist an die Einhaltung strenger Qualitätskriterien geknüpft und wird von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) überwacht. Nun plant auch die Stadt Kassel, eine solche Online-Spielothek zu eröffnen, die in Kooperation mit stationären Glücksspielbetrieben in Hessen betrieben werden soll.

Wie sich die aktuelle Glücksspiellandschaft in Deutschland darstellt

Um zu verstehen, woher diese zugegebenermaßen ungewöhnliche Geschäftsidee überhaupt stammt, muss man sich etwas mit den Gegebenheiten der digitalen Glücksspielbranche hierzulande auseinandersetzen.

Tatsächlich sieht es so aus, dass die gesetzlichen Neuerungen und damit einhergehenden strengeren Kontrollen leider nicht zum gewünschten Ergebnis geführt haben, illegale Plattformen komplett zu verdrängen. Vielmehr macht der Schwarzmarkt Erhebungen zufolge immer noch rund 50 Prozent des Marktanteils aus.

Was es mit dem Vorhaben konkret auf sich hat

Um hier ein Ungleichgewicht zugunsten rechtmäßig operierender Betreiber zu schaffen und damit die Einhaltung von Spieler- und Jugendschutzbestimmungen zu vereinfachen, soll folglich deren Anzahl vergrößert werden. Genau daran möchte sich die Stadt Kassel nun proaktiv beteiligen. Zumindest lautet so die offizielle Zielsetzung der Projektverantwortlichen.

Sicherlich spielen jedoch auch finanzielle Anreize eine Rolle, denn andere erfolgreiche Online-Plattformen machen deutlich, wie gut man an dem florierenden Business tatsächlich verdienen kann. Offiziell lizenzierte Anbieter spielen zudem Steuereinnahmen in die öffentlichen Kassen, wenngleich diese zu 100 Prozent dem Bund zugutekommen und damit an den Kommunen und dem Land Hessen vorbeifließen.

Möglicherweise nimmt sich Kassel ein Vorbild an den Sächsischen Spielbanken, die in Ergänzung zu ihren drei landbasierten Casinos in Leipzig, Dresden und Chemnitz von den Optionen des Glücksspielstaatsvertrags Gebrauch machen, indem sie ihre eigene Online-Plattform betreiben.

Wer soll sich an der hessischen Online-Spielothek beteiligen?

Für die Durchführung des Projekts ist eine Kooperation mit der Stadt Wiesbaden und Lotto Hessen vorgesehen. Zudem möchte man die Spielbanken in Kassel und Wiesbaden mit ins Boot holen, um Kosten und Risiken untereinander aufzuteilen. Auch eine Beteiligung der Spielbank Bad Homburg steht im Raum. Von der auf etwa 150.000 Euro kalkulierten Investitionssumme sollen 30.000 Euro aus Kassels städtischem Haushalt bestritten werden.

Die hohen Kosten gehen auf mehrere Faktoren zurück, die für den Betrieb einer lukrativen Seite unverzichtbar sind. Um Kunden ein individuell zugeschnittenes Spielerlebnis zu gewährleisten, kommt KI-gestützte Technologie zum Einsatz, wie dies auch in anderen Wirtschaftsbereichen regional und überregional üblich ist.

Daneben sind eine aufwändige Programmierung, Serverkapazitäten, Sicherheitsmaßnahmen und intensives Marketing vonnöten. Weiterhin bedarf es Nutzungsverträgen mit Zahlungsanbietern und Softwareentwicklerfirmen sowie des teuren GGL-Lizenzierungsverfahrens.

Welche Gegenstimmen werden laut?

Befürworter der regierenden FDP geben sich sehr optimistisch, dass sich diese Gelder in absehbarer Zeit amortisieren lassen, da der Glücksspiel-Boom weiterhin anhält und die Nachfrage nach spannenden Online-Angeboten ungebrochen scheint. Starken Gegenwind erhalten sie währenddessen aus den Reihen der politischen Opposition sowie des Diakonischen Werks.

Die Kritikpunkte zielen darauf ab, die falschen Zeichen zu setzen und Glücksspiel sowie die damit verbundene Gefahr von Spielsucht zusätzlich zu fördern. Außerdem fehle es bereits an Geldern für wesentlich wichtigere Projekte zum Wohle der Bevölkerung.

Zwar ist man sich durchaus einig, dass aktiv gegen den Schwarzmarkt im Glücksspielgeschäft vorgegangen werden muss, dennoch sieht die Gegenseite hierfür andere Maßnahmen als deutlich angemessener an. Eine Abstimmung und finale Entscheidung stehen damit noch aus.

- Advertisement -
- Advertisement -

Neueste Artikel